Startup-Erfolg: Das richtige Verhältnis von Geld und Identität

Geld ist Alles für Unternehmen. Und Geld ist Nichts für Unternehmen.

Wir brauchen es, um Gehälter zu bezahlen, um zu investieren, um Gewinne auszuschütten, um finanzielle Stabilität zu gewährleisten.

Gleichzeitig ist es nichts Wert, wenn es um die Vision, die Idee, die Identität, die Anziehungskraft für Talente und um das Engagement des Teams geht.

Ich bin überzeugt, dass nur mit einer ausgewogenen Balance aus Geld (im Sinne von Investitionskapital) und Menschlichkeit (im Sinne von Identität) nachhaltiger Erfolg möglich ist.

In den letzten 10 Jahren habe ich viele Investoren und M&A-ler erlebt, die dem Faktor „Money“ großes Gewicht beigemessen haben. Man investiere aber hauptsächlich in die Köpfe, heißt es dann mantraartig. In die Identität, in das Potenzial und nicht primär in Kunden, Technologien, Umsätze, sondern in das Potenzial der Typen. Damit lässt sich also rechtfertigen, warum Venture Capital-, Corporate Investments oder (teil-)staatliche Fonds Firmenbewertungen mitgehen, die sich durch BWAs, DCF-Verfahren oder IDW-Standards meist nicht herleiten lassen? Wohl kaum.

Nach etlichen VC-Pitches, zig Verhandlungen und über 10 Jahren Erfahrungen mit unterschiedlichsten Investoren und Unternehmen zwischen 0 und 50 Millionen EUR Umsatz komme ich zu der ernüchternden Erkenntnis, dass dieses vornehmliche Interesse an dem Faktor Identität vom Investor oft anders gemeint und vom Unternehmer häufig fehlinterpretiert wird.

Schließlich schaut der Investor letztlich doch sehr pragmatisch auf seinen Deal-Flow, auf die Due Dilligence, auf die Verträge, auf (prognostizierte) Wachstumsraten, auf sein internes Rating, Finanzplanung und Rendite-Wahrscheinlichkeiten – also auf quantifizierbare Indikatoren.

Während sich doch viele der (angeblich wichtigen) Identitätsfaktoren kaum quantifizieren lassen: Es ist nunmal schwer Teamzusammenhalt, Innovationsstärke, Kundennähe oder Commitment zu messen.

Es muss einem jungen Unternehmer paradox vorkommen, wenn sich der Investor so nachdrücklich für das Potenzial des Teams interessiert und der Deal im nächsten Moment an Banalitäten während der Due Dilligence zu scheitern droht.

„So läuft es nunmal, das ‚Spiel‘ zwischen Investor und Unternehmen“ werden jetzt viele sagen… und habe ich tatsächlich schon viele Investoren sagen hören!

  • Warum ist es so schwierig, eine Balance zwischen „Money“ und „Men“ nicht nur im Tagesgeschäft, sondern eben auch mit Investoren herzustellen?
  • Und ist es überhaupt sinnvoll, diese Balance herzustellen?
  • Profitiert jemand davon, wenn eingeleitete Investitions-, M&A- und Finanzierungsprozesse ins Stocken geraten und der Unternehmer die Belastbarkeit von Vereinbarungen in Frage stellt?
  • Wie steht es um die Nachhaltigkeit der Finanzierung als solche und der Beziehung zwischen Investor und Team?

All diese Fragen sind typische Unternehmerfragen und bringen ihn nicht weiter. Im Gegenteil, je mehr er sich damit beschäftigt, desto schwieriger der Abschluss.

Für den Investor geht es nicht darum, eine Balance herzustellen. Er schaut kalkuliert auf sein Portfolio und auf seine Rendite-Chancen. Sympathie, Athmosphäre, Identität sind gute Einstiegsvoraussetzungen für erste Gespräche, aber letztlich unerheblich, sogar eher hinderlich für die Verhandlungen.

Am Ende entscheidet ein Investor nie nach Bauchgefühl, sondern ausschließlich anhand der Fakten. Es ist zudem nie ein Einzelner, sondern die Gremien (die wiederum ausschließlich die Hard Facts sehen). Letztlich gibt es Verträge, die alle Details festhalten, egal wie nett die Gespräche mit dem Investment Manager beim Italiener waren.

Und trotzdem wären wir schlechte Unternehmer und Geschäftsführer, wenn wir unsere Überzeugungen, Ideen, oder Visionen ignorieren würden. Ich bleibe dabei, die Balance ist entscheidend. Im Gespräch mit dem Neukunden, mit dem Kooperationspartner oder Mitarbeitern würde ich immer Identität vor Kalkül bzw. Money stellen. In der Finanzierung wäre das fahrlässig!

 

 

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